Personalabteilungen im mentalen Dauerstress

Resilienz: So bleibt Ihr HR-Team gesund

Deutschland steckt in einer wirtschaftlich angespannten Phase: Das Wachstum ist schwach, viele Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück und die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist schwierig. HR-Abteilungen stehen mittendrinzwischen verunsicherten Mitarbeitenden, anspruchsvollen Führungskräften und herausfordernden strategischen Vorgaben. Von ihnen wird erwartet, in turbulenten Zeiten Ruhe und Stabilität auszustrahlen. Gleichzeitig werden Entscheidungen komplexer, Gespräche emotionaler und die Erwartungen steigen. Das belastet.


Studien zeigen: HR unter Dauerlast

Egal ob Reorganisation, Digitalisierung, Trennungs- oder Konfliktgespräche: HR trägt eine große Verantwortung und kennt keinen Leerlauf. Das hinterlässt Spuren, wie eine internationale HR-Studie von Sage aus dem Jahr 2024 bestätigt: 83 Prozent der Personalverantwortlichen fühlen sich ausgebrannt, 87 Prozent sind wegen ihrer HR-Verantwortung gestresst. 91 Prozent berichten von gestiegenem Workload und längeren Arbeitszeiten.

Auch XING sieht in seiner Arbeitsmarktstudie 2025 einen drastischen Anstieg von Belastung und Stress in HR: 85 Prozent der der Personaler:innen und Recruiter:innen empfinden eine hohe emotionale Belastung und Stress im Job. Im Vorjahr waren es noch 63 Prozent. In einer repräsentativen Wellpass-Studie von 2025 geben 40 Prozent der Beschäftigten in Deutschland an, dass ihre Arbeit negative Auswirkungen auf ihre psychische Gesundheit hat. Der Stresslevel hierzulande ist hoch – und der Personalbereich ist besonders stark betroffen.
 

Was sorgt für Stress in Deutschlands HR-Abteilungen?

Die Belastung in HR entsteht oft weniger durch einzelne Aufgaben als durch die Summe an Anforderungen.
Typische Stressfaktoren können sein:

  • Spannungsfeld zwischen Unternehmenszielen und Mitarbeiterinteressen
  • Emotionale Belastung durch Konflikt- und Trennungsgespräche
  • Vertraulichkeit und daraus ggf. resultierende emotionale Isolation
  • Verantwortung für rechtssichere Entscheidungen
  • Anhaltender Zeitdruck und parallele, wiederkehrende Aufgaben
  • Beratung und Absicherung von Führungskräften in schwierigen Situationen
  • Erwartungsdruck rund um Personalentwicklung, Recruiting und Employer Branding
  • Ständiger Anspruch an Professionalität und Belastbarkeit
     
Vom Burnout zur Resilienztrainerin – eine Mutmachgeschichte

Sarah Edelmann erlebte genau diese Belastung. Sie arbeitete über Jahre als HR-Führungskraft in Konzernen. „Ich habe meinen Job geliebt. Doch leider habe ich es mit der Verantwortung übertrieben. Ich wollte meine Sache immer gut, am besten sehr gut machen und alles unter Kontrolle haben“, erzählt sie. Um aus dem Hamsterrad rauszukommen, entschied sie sich schließlich für einen Job ohne Personalverantwortung, wurde Mutter, stieg wieder in die Arbeitswelt ein. 2022 dann die erste Panikattacke und kurz danach: Diagnose Burnout.

Nach monatelanger Therapie kehrte sie zurück ins Leben, bereit für einen kompletten Neustart. Heute begleitet Sarah Edelmann als Resilienztrainerin und systemische Business Coach Teams und Führungskräfte auf dem Weg zu mehr Widerstandsfähigkeit. „Auch die belastbarsten HR Profis haben Grenzen. Spätestens wenn Jobstress auf private Krisen trifft, braucht es bewusste Energietankstellen – sonst geht die Kraft verloren“, erklärt sie.
 

 

Sarah Edelmann
Gründerin der MindWERKSTATT
zertifizierte Resilienztrainerin und systemische Business Coach

Warnsignale erkennen und ernst nehmen

Stress ist nicht gleich Stress. Ab wann er zum gesundheitlichen Risiko wird, ist sehr individuell und hängt auch vom persönlichen Wertegefüge und der privaten Situation ab. Oft schleichen sich Symptome langsam ein. Typische Warnsignale sind ständige Erschöpfung oder das Gefühl, nie richtig Pause zu haben, ein zynischer Blick auf die eigenen Aufgaben, Entscheidungsmüdigkeit und ein Rückgang von Empathie. Viele HR-Verantwortliche, die es gewohnt sind, für andere da zu sein, neigen dazu, diese Anzeichen als „normal“ abzutun. Dabei ist das frühzeitige Erkennen entscheidend – für das eigene Wohlbefinden und für ein langfristig funktionierendes, gesundes Team.
 

Rettungsanker Resilienz: Was dahintersteckt

Kaum jemand navigiert gern durch Krisen. Nicht nur dann ist Resilienz die rettende Ressource. „Was geschieht, wenn Sand ins Getriebe gerät? Resilienz lässt sich als Toleranz eines Systems gegenüber Störungen beschreiben“, so Edelmann. „Resilienz ist eine Haltung, ein Mindset, mit dem man den Herausforderungen des Lebens so begegnet, dass man daraus gestärkt hervorgehen kann, auch wenn es sich im Moment selbst fürchterlich anfühlt.“ Es geht also nicht darum, unverwundbar zu sein, sondern genau um das Gegenteil: bewusst bei sich zu bleiben, handlungsfähig zu bleiben und gesund mit Druck umzugehen, auch wenn dieser steigt.
 

Eigenverantwortung, Teamverantwortung, Unternehmensverantwortung?

Wer ist also gefragt, wenn es darum geht, Überlastung zu verhindern und Resilienz im Team zu stärken? Die Antwort: die Mitarbeitenden, das Team und das Unternehmen. Entscheidend ist, dass alle ihren Beitrag leisten – und alles beginnt bei einem selbst, mit Eigenverantwortung:

  1. Für jede:n Einzelne:n ist es von zentraler Bedeutung, sich immer wieder selbst zu reflektieren, persönliche Grenzen zu kennen und zu wahren. Achten Sie auf regelmäßige Pausen, gezielte Erholung und sagen Sie öfter „Nein“. Richten Sie einen klaren Fokus auf das, was Sie realistisch mit der eigenen Energie beeinflussen können („Circle of Influence“). Sarah Edelmann empfiehlt außerdem: „Setzen Sie Ihr Wohlbefinden auf Ihre Agenda – das ist eins Ihrer wichtigsten To-dos. Schon kleine Übungen sind wirksam: Nehmen Sie sich 60 Sekunden zwischen zwei Meetings. 60 Sekunden, in denen Ihr System nichts tut, Sie aus dem Fenster schauen oder Ihre Augen schließen. Wir sind gedanklich häufig in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Präsenz beginnt dort, wo unser Körper ist. Eine Übergangsminute hilft, Gedanken und Geist dorthin zurückzuholen.“
     
  2. Auf Teamebene entlasten Reflexion und Austausch. Wird offen über Sorgen gesprochen und gemeinsam an Lösungen gearbeitet, entsteht psychologische Sicherheit. „Professionelle Wirksamkeit wächst im Dialog, im Sparring und in vertrauensvollen Beziehungen. Wichtig dabei ist auch, negative Emotionen loszulassen und gemeinsam weiterzugehen“, erklärt die Resilienztrainerin. Ein Team sollte immer auch das Positive sehen: Was gibt Halt und Sicherheit? Worin ist man besonders gut und was hat man erreicht? Dazu gehört auch, Erfolge gemeinsam zu feiern.
     
  3. Organisationen müssen ihren HR-Bereichen nicht nur Verantwortung übertragen, sondern auch Vertrauen, Ressourcen und Rückendeckung bieten. Dazu zählen auch klare Strukturen und Rollen genau wie eine (Führungs-)Kultur, die mentale Gesundheit fördert. Sport- und Wellbeing-Angebote, Resilienz-Trainings und das klare Signal, dass Pausen und Freizeit respektiert werden, machen ebenfalls einen Unterschied. Nur wo die Rahmenbedingungen stimmen, kann Resilienz auf Team- und Individualebene wachsen.
     
Weg damit: Trennen Sie sich von (administrativem) Ballast!

Ein weiterer Schritt zu spürbarer Entlastung: Prüfen Sie ehrlich, welche Aufgaben wirklich Ihr HR-Team erledigen muss. Strategisch bedeutsame HR-Projekte, wichtige Ad-hoc-Aufgaben genau wie das Umsetzen von arbeitsrechtlichen Neuerungen fordern einen Großteil Ihrer HR-Ressourcen. Zusätzlich gibt es in jeder Personalabteilung eine ganze Menge repetitiver Vorgänge, die Zeit und Nerven kosten können – und Druck erhöhen.

Denken Sie darüber nach, welche Aufgaben ausgelagert oder automatisiert werden können: Moderne Tools und zuverlässige Partner helfen, Routinetätigkeiten wie Payroll oder Reisekostenabrechnung effizienter zu gestalten. So schaffen Sie Raum für gesunde Personalarbeit – und es bleibt mehr Energie für das Wesentliche.
 

Gesunde Rahmenbedingungen für ein gesundes Miteinander

Die Herausforderungen für HR werden nicht kleiner. Umso wichtiger ist es, Resilienz zu fördern: individuell, im Team und im gesamten Unternehmen. Ein gesundes Team ist das Ergebnis eines gesunden Umfelds – und dieses Umfeld entsteht gemeinsam.
 

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